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Neos – das neue CMS bei internezzo

Seit rund 10 Jahren setzt internezzo erfolgreich auf TYPO3 CMS, eines der bekanntesten und im europäischen Raum beliebtesten Open Source Systemen für Websites. Auch heute noch zählen wir auf dieses System als Basis der meisten Projekte, die wir für unsere Kunden realisieren. Neben TYPO3 beschäftigen wir uns im Moment aber auch intensiv mit Neos und haben bereits Erfahrungen gesammelt und die ersten Kundenprojekte realisiert.

In diesem Beitrag gebe ich einen Überblick über die Geschichte von Neos und berichte über unsere Herangehensweise sowie unsere ersten Erfahrungen. Zum Ende hin wage ich noch einen Ausblick in die nähere Zukunft von Neos.

Neos, das neue CMS und woher es kommt

Vor einigen Jahren kam unter den Entwicklern von TYPO3 die Diskussion auf, wie der technische Unterbau von TYPO3 modernisiert und damit das System längerfristig auf einem wartbaren Fundament gehalten werden kann. Die Entwickler beschlossen, auf der grünen Wiese ein neues CMS zu bauen. Dies, da der Aufwand den bestehenden Code in eine modernere (technische) Architektur zu überführen, als zu aufwendig eingeschätzt wurde. Und so begannen die Recherchen, wie denn ein modernes Fundament für ein Content Management System wie TYPO3 aussehen soll. Fernziel war, das selbe System, aber innerlich modernisiert, neu zu entwickeln.

Einige Monate später, es wurde bereits eifrig an diesem neuen Fundament und am neuen CMS entwickelt, ergaben sich zwei Erkenntnisse aus der Arbeit:

  1. Das in der Entstehung befindliche Grundgerüst ist universell einsetzbar – egal ob als Basis für TYPO3 oder für andere webbasierte Applikationen. Die Entwickler entschieden sich deshalb, dieses Teilprodukt als eigenes Produkt zu lancieren: FLOW3, als modernes PHP-Framework, war geboren.
  2. Die Anforderungen an ein Content Management System haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert – es zeigte sich immer klarer, dass ein 1:1 Nachbau von TYPO3 gar nicht mehr das Ziel sein konnte. Stattdessen war ein eigenständiges, neues Produkt am entstehen. Die Entwickler hatten den Fokus stark auf Recherche und Marktbefragungen gelegt, was zu einem radikal anderen Aufbau des neuen Systems führte.

Diese Entwicklungen ergaben sich Stück für Stück durch die neu gewonnenen Erkenntnisse und dem Feedback von Agenturen, die bereits erste Projekte auf der Basis des neuen Systems realisiert hatten. Es wurde immer klarer, dass Neos kein direkter Nachfolger von TYPO3 sein würde, sondern ein separates, eigenständiges Produkt, das sich neben TYPO3 am Markt beweisen muss. Auf den Weg wechselte bis hier hin auch der Name mehrmals und im Sommer 2015 entschieden die TYPO3 Association und das Neos-Projekt sich zu trennen damit sich beide Projekte auf „ihr“ Produkt fokussieren können.

Im August 2015 erschien Neos 2.0. Diese Version bringt einige Funktionen mit sich, auf die wir für weitere Kundenprojekte gewartet haben.

Soweit zur Geschichte von Neos bis hierhin. Wir begannen jedoch bereits schon vor Version 2.0 erste Projekte und sammelten Erfahrungen mit dem modernen CMS:

Erste Erfahrungen

Bevor wir uns bei internezzo an Neos heranwagten, sammelten wir Erfahrungen mit dem PHP-Framework Flow, auf dem auch Neos basiert. Dieses setzten wir in mehreren Projekten erfolgreich ein und realisierten neben internen Applikationen z.B. den Patienten Online-Checkin für die solothurner spitäler ag und ein Benutzer-Verwaltungssystem für Saia Burghess Controls. Mit diesem Erfahrungs-Rucksack machten wir uns Ende 2014 auf die Suche nach einem ersten Projekt, das wir mit Neos realisieren wollten.

Die Sanitär-Website

Unser erstes Neos-Projekt ist die Website von Philippe Kunz. Auch wenn diese sehr einfach und klein wirken mag, für uns war sie der ideale Einstieg, um das neue Produkt kennenzulernen. Einige Dinge fühlen sich zwar bekannt an, wie beispielsweise die Konfigurations-Sprache „Typoscript“. Dennoch ist Neos ein neues Produkt, in das man sich erst einarbeiten muss. Aus diesem Projekt gingen wir grundsätzlich mit positiven Erfahrungen hinaus. Dennoch blieben einige Fragezeichen und offene Punkte.

Screenshot der Neos-Website von Philippe Kunz

Screenshot der Neos-Website von Philippe Kunz

Insbesondere der Bereich der Server-Infrastruktur erfordert, dass wir unseren Entwicklungs- und Deployment-Ablauf überdenken. Wie ganz früher einmal – ein paar Dateien via FTP auf den Webserver hochzuladen und fertig – ist heute nicht mehr praktikabel.

Auch die damals aktuelle Neos-Version zeigte noch einige Kinderkrankheiten. Hier flossen bereits erste Feedbacks zurück zum Neos-Team und wurden dankend aufgenommen.

Die Magazin-Website

Kurz darauf starteten wir ein umfangreicheres Projekt, bei dem sich Neos und sein flexibel konfigurierbarer Aufbau beweisen sollten. Entstanden ist die Website moto-lifestyle.ch, eine Online-Plattform für Motorradfahrer im Magazin-Stil mit einer Startseite mit vielen unterschiedlichen Teaser-Elementen:

Screenshot der Neos-Website von moto-lifestyle.ch

Screenshot der Neos-Website von moto-lifestyle.ch

Es zeigte sich während dem Projekt, dass Neos mit den unterschiedlichen Dokument- und Inhalts-Typen sehr gut zurecht kommt. Somit bietet es eine sehr einfache Möglichkeit, die Art der Darstellung der einzelnen Artikel-Typen auf der Website zu steuern. Dies alles, ohne eine einzige Zeile PHP-Code zu schreiben, rein durch Konfiguration der Node-Types und Steuerung der Ausgabe via Typoscript und Fluid. Auch die Benutzeroberfläche von Neos wurde weiter verbessert, was bei unserem Kunden sehr gut ankam und zu einem minimalen Schulungsaufwand führte.

Parallel zu den Erfahrungen und Fortschritten mit Neos selbst, bauten wir unsere Continuous Integration Infrastruktur (CI) auf. Damit schaffen wir eine Basis, damit mehrere Entwickler im internezzo Team parallel an einem Projekt arbeiten können und ihre Resultate voll-automatisiert und dadurch reproduzierbar am richtigen Ort ausgerollt werden. Unser Ziel, dieses System vor dem Kunden zu verstecken, haben wir nicht ganz erreicht – stattdessen erhielten wir viele lobende Worte: Gemeldete Fehler und Detail-Anpassungen während der Schlussphase des Projektes waren teils innert wenigen Stunden nicht nur behoben, sondern auch schon auf dem Live-System ausgerollt. Früher wurden diese gesammelt und am Ende des Projektes manuell livegeschaltet. Die neue Schnelligkeit kam beim Kunden sehr gut an.

Der One-Pager

Bereits stand das nächste Projekt in der Pipeline, das wir mit Neos realisieren wollten. Mit der Website für die Apoint Film GmbH entstand unsere dritte Neos-Website und gleichzeitig unser erstes mehrsprachiges Neos-Projekt. Das Layout ist ebenfalls „speziell“ und zeigt den gesamten Inhalt in Form eines „One-Pagers“ auf einer einzelnen Seite.

Screenshot der Neos One-Pager Website von Apoint-Film

Screenshot der Neos One-Pager Website von Apoint-Film

Wir bauten auf unsere CI-Automatismen auf, die sich erneut bewährten und konnten damit während der Umsetzungsphase kontinuierlich und schnell bis zum Kunden liefern. So arbeitete der Kunde bereits am Content, während unsere Entwickler noch an einzelnen Details feilten.

Wir nehmen Fahrt auf

Nach diesen ersten drei Projekten sind wir zuversichtlich: Unsere Strategie, mit kleineren Projekten zu beginnen und uns Stück für Stück an komplexere Projekte zu wagen, ist aufgegangen. Jetzt kam der Zeitpunkt, das selbst angeeignete Wissen zu Neos mit noch mehr Wissen vom Profi zu vermengen. Hierfür haben wir Christian Müller von Flownative für zwei Tage zu uns nach Rotkreuz für eine idividuelle Team-Schulung eingeladen.

In einem ersten Teil erhielt das gesamte Team einen Status-Update, wo wir mit Neos 2.0 stehen, was drin ist und was auf absehbare Zeit kommen wird. Dies war insbesondere für unsere ProjektleiterInnen wichtig, damit sie unsere Kunden optimal beraten können.

Die Teilnehmer der internen Neos-Schulung mit dem Whiteboard mit den behandelten Themen.

Die Teilnehmer der internen Neos-Schulung mit dem Whiteboard mit den behandelten Themen.

Anschliessend ging die Schulung in einem kleineren Rahmen weiter und unsere Entwickler David, Kathleen und Mario tauchten zusammen mit Christian in die Tiefen von Neos ab. Dabei hakten wir nach und nach alle vorgängig fein-säuberlich auf Kärtchen notierten Fragen und Themen ab und lernten das System rundherum weiter kennen.

Wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen mit Christian und den anderen Neos-Entwicklern: Am 30. November findet die zweite „Meet Neos“-Konferenz statt, bei welcher sich einen ganzen Tag lang alles um Neos dreht. internezzo unterstützt diesen Event als Sponsor und wird mit zwei Mitarbeitern vor Ort mit dabei sein.

Neos bei internezzo im Jahr 2016

Unsere Strategie ist, neben unserem Hauptprodukt TYPO3, mit Neos ein zusätzliches Content Management System ins Portfolio aufzunehmen. Dabei werden wir nicht das eine oder andere Produkt bevorzugen oder eine Verdrängung in eine Richtung forcieren.

Je nach Anforderungen und Umfang von Projekten, wird das eine oder das andere Produkt besser passen.

Wir sehen einige KO-Kriterien, die klar für das TYPO3 CMS sprechen – oder umgekehrt auch für Neos. In jedem Fall werden wir im Gespräch mit dem Kunden herausfinden, welches Produkt für das aktuelle Projekt besser passt.

Gerne würden wir auch Ihr nächstes Projekt dahingehend prüfen und Ihnen unsere Empfehlung abgeben!

Inspire People to Share – geht auch mit Neos

Neben dem reinen Content-Management bietet die Kombination aus Flow und Neos weitere spannende Möglichkeiten, Geschäftsprozesse auf Basis des modernen PHP-Frameworks zu automatisieren. Nach aussen präsentiert es sich als eine in sich geschlossene Lösung (Website mit Content + Business Logik). Hier erwarten wir in den nächsten Monaten die Entstehung eines Ökosystems aus wiederverwendbaren Bausteinen, ähnlich wie bei beim TYPO3 Extension-Repository (TER). Getreu dem Motto des TYPO3-Projektes „Inspire people to share“ geschieht dies bereits heute auch mit Flow-Packages – es fehlt aktuell einfach noch das Zentrale „Register“ solcher Erweiterungen.

Akzeptanz beim Benutzer

Natürlich ist es für uns als Umsetzungspartner wichtig, mit einem Tool effizient und praktisch auf die Projektziele hin zu arbeiten. Doch am Ende ist es viel wichtiger, dass der Benutzer das Tool mag und es Ihn in seiner Arbeit ideal unterstützt.

Durch die einfachere Benutzeroberfläche und die Fokussierung auf die heutigen Bedürfnisse des Content-Publishers, erwarte ich in diesem Bereich eine hohe Akzeptanz von Neos. Die Feedbacks unserer Kunden aus den ersten drei Projekten bestätigt dies.

Akzeptanz bei Agenturen

Die TYPO3-Community ist ziemlich gut vernetzt, man kennt sich unter einander. Wenn man sich die Liste der Referenzprojekte auf der Seite des Neos-Projektes ansieht, sind dort erst einmal viele Projekte zu sehen. Spannend finde ich hier, dass nicht nur Agenturen erste Projekte mit Neos umsetzen, welche man bereits aus der TYPO3-Szene kennt. Auch andere Agenturen, ohne offensichtlichen historischen Bezug zu TYPO3, haben sich auf Grund einer CMS-Evaluation für Neos entschieden und setzen es in Kundenprojekten ein.

Vereinfachte Weiterentwicklung

Das Neos Team entschied sich Anfang 2015 einen Teil der Entwicklungs-Infrastruktur zu wechseln. Dieser Schritt wurde im Sommer vollzogen. Die Weiterentwicklung findet nun auf Github statt und folgt einem angepassten Ablauf. Mit diesem Schritt soll die Attraktivität für weitere Entwickler gesteigert werden, sich an der Weiterentwicklung von Neos zu beteiligen und damit schneller voran zu kommen – wenn man den folgenden Chart betrachtet, scheint dieser Plan aufzugehen:

Anzahl der Commits (Code-Änderungen) an Neos über die letzten Jahre

Anzahl der Commits (Code-Änderungen) an Neos über die letzten Jahre

 

Steht auch bei Ihrer Web-Präsenz eine Überarbeitung an? Unser Projektleitungs-Team zeigt Ihnen gerne Ihre Möglichkeiten.

Mario Rimann

Mario Rimann entwickelt individuelle Software-Lösungen und ist verantwortlich für den Betrieb der Hosting-Infrastruktur. Er engagierte sich zwischenzeitlich im Vorstand der TYPO3-Association und entwickelt auch privat OpenSource-Software.

Neue Konzepte entstehen

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