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Film drehen

Einen eigenen Film drehen – Ratgeber zum Erfolg

In der heutigen Zeit können wir dank Smartphones innerhalb von Sekunden einen Film machen und veröffentlichen. Aber zwischen „Film machen“ und „Film drehen“, gibt es aus meiner Sicht einen klaren Unterschied. Während meiner Ausbildung zum Mediamatiker hatte ich die Möglichkeit, zu lernen wie man einen qualitativ hochwertigen Film plant, dreht, bearbeitet und auf was man dabei achten sollte. Dieser Blogpost hilft Ihnen bei der Verwirklichung eines eigenen Filmprojekts.


Was braucht man um einen Film zu drehen?

Machen Sie sich zu den folgenden drei Punkten Gedanken, bevor Sie mit dem Drehen Ihres eigenen Films loslegen.

Material

Das Wichtigste zum Filmen ist logischerweise eine Videokamera. Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder eine solche Kamera bei sich zu Hause hat. Alternativ kann man auch eine DSLR-Kamera (Digitale Spiegelreflexkamera) oder eine andere Fotokamera mit Video Funktion verwenden. Worauf man bei der Wahl der Kamera achten sollte, ist sicherlich die Videoauflösung und die Anzahl fps (Frames per Second, für Bilder pro Sekunde) mit der die Kamera aufnehmen kann. Nimmt Ihre Kamera Videos mit einer zu tiefen Framerate auf, kann es sein, dass Ihr Film nicht flüssig aussieht. Ich empfehle daher eine Kamera, die mit mindestens 25fps aufnimmt. Aufgepasst: Verwendet man mehr als eine Kamera zum Filmen ist es wichtig, dass diese mit der gleichen Anzahl fps aufnehmen, was die spätere Bearbeitung erleichtert und das Endresultat verbessert. Ein weiterer Punkt ist das Einsatzgebiet der Kamera. Wollen Sie Ihren letzten Skiurlaub mit rasanten Abfahrten dokumentieren oder Ihren Freunden zeigen, wie Sie einen Fallschirmsprung wagen? Dann wäre eine Actioncam (wie z.B. GoPro) idealer als eine verhältnismässig grosse und teure Videokamera.

Eine hohe Anzahl fps alleine lässt Ihre Filme noch lange nicht ruckelfrei erscheinen. Verwenden Sie ein Stativ, worauf Sie Ihre Kamera befestigen können. Ihr Stativ sollte höhenverstellbar und mit der Kamera kompatibel sein.

Haben Sie schon mal versucht mit Ihrem Smartphone eine laute Band oder ein Konzert aufzunehmen? Sicherlich ist Ihnen zu Hause aufgefallen, dass der Ton völlig falsch klingt und sich überschlägt. Die Lösung um genau das zu verhindern: ein Mikrofon. Abgesehen von Musikaufnahmen ist der Einsatz eines Mikrofons auch bei Interviews oder Gesprächen von Vorteil. Personen sind besser zu hören und Konversationen sind verständlicher.

Drehbuch & Story

Filme sind prinzipiell eine Art von Bildergeschichte. Daraus kann man ableiten, dass ein Film aus Bildern besteht, die Geschichten und Handlungen mit Hilfe von visuellen Eindrücken veranschaulichen. Folglich müssen Sie schon im Voraus genau wissen, was Sie den Zuschauern mit Ihrem Film vermitteln wollen. Und da beginnt die Planung. Ich persönlich kann es jeweils kaum abwarten, endlich mit dem Filmen zu starten. Aber eine sorgfältige Planung ist für den Erfolg eines Filmprojektes entscheidend.

Die folgenden Punkte und Fragestellungen können Ihnen beim Planen helfen.

Rahmenbedingungen

  • Wer ist mein Zielpublikum?
  • Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung?
  • Wie hoch ist mein Budget?
  • Wer ist am Projekt beteiligt?

Konzept

  • Um was soll es im Film gehen?
  • Was für eine Aussage soll der Film haben?
  • Wo wird gedreht (Drehorte)?
  • Wie sehen die einzelnen Szenen ungefähr aus?

Drehbuch

Nun wird es genau. Das Drehbuch befasst sich mit den Einstellungen innerhalb einzelner Szenen. Zu jeder Einstellung sollten folgende Punkte beschrieben sein.

  • Welche Einstellungsgrösse?
  • Wie lange dauert die Einstellung?
  • Was ist darin zu sehen?
  • Wird etwas dazu gesagt?
  • Was ist zu hören?
Beispiel Drehbuch

Beispiel eines Drehbuchs

Bearbeitungsprogramm

Mit einem Bearbeitungsprogramm kann man aus einzelnen Filmclips einen Film machen. Man schneidet Szenen zusammen, fügt Titel und Texte oder diverse Effekte hinzu. Ich persönlich verwende dafür Premiere Pro von Adobe. Dieses Programm bietet fast unendlich viele Möglichkeiten und wird auch von vielen Profis genutzt. Allerdings erfordert Premiere Pro einige Vorkenntnisse und ist kostenpflichtig. Wenn Sie etwas Einfacheres suchen, empfehle ich Ihnen den kostenlosen Windows Movie Maker. Für Mac User gibt es ein ähnliches Programm namens iMovie, welches jedoch kostenpflichtig ist.


Tipps & Tricks: Darauf sollte man beim Film drehen achten

Perspektive

Die Wahl der richtigen Perspektive spielt beim Filmen eine sehr grosse Rolle. Wenn Sie eine Person aufnehmen, sollte die Kamera auf Augenhöhe mit dieser Person sein. Die Perspektive beeinflusst die Wirkung einer Person stark. Filmt man sie von unten her, wirkt sie gross und mächtig. Wenn man sie von oben her filmt, wirkt sie eher klein und verletzlich.

Bildaufbau & Goldener Schnitt

Achten Sie darauf, dass Ihr Motiv sich in etwa im Goldenen Schnitt bewegt. Der Goldene Schnitt ist eine Art Hilfestellung, die es ermöglicht, ein Motiv harmonischer und natürlicher darzustellen. Der Kopf und die Augen einer Person sollten im oberen Drittel des Bildes liegen.

Beachten Sie die Blickrichtung einer Person, um die Wirkung der Aufnahme zu verbessern. Filmen Sie eine Person, die nach links schaut, so, dass sie sich im Goldenen Schnitt auf der rechten Seite befindet. So wird dem Blick der nötige „Raum“ gelassen.

goldener Schnitt

Das Motiv sollte ungefähr im Orange eingefärbten Bereich liegen.

Einstellungsgrössen

Ihnen ist bestimmt schon aufgefallen, dass in einem Film immer von verschiedenen Distanzen aus gefilmt wird. Diese Entfernungen zum Motiv nennt man Einstellungsgrössen.

Ich erkläre Ihnen anhand eines Beispiel-Bildes, wie diese ungefähr aussehen.

T = Total Man sieht, wo sich die Handlung abspielt

HT = Halbtotal Man sieht eine Person von Kopf bis Fuss

HN = Halbnah Die Person ist nicht vollständig zu sehen

N = Nah Man sieht nur noch einen Teil des Oberkörpers und den Kopf der Person

G = Gross Nur noch der Kopf ist zu sehen

D = Detail Man sieht nur ein Detail, z. B. eine Hand oder ein Teil des Gesichts

Definition Einstellungsgrössen

Bei einem Film ist es sehr wichtig, dass der Zuschauer weiss, was er sieht und sich orientieren kann. Wählen Sie die verschiedenen Einstellungsgrössen bewusst und in einer bestimmten Reihenfolge. Es macht Sinn, wenn der Zuschauer zuerst eine Totale Aufnahme der ganzen Szenerie sieht und ihm dann Schritt für Schritt einen kleineren Bereich gezeigt wird (von Total zu Gross). Andersherum sieht man zuerst ein bestimmtes Detail, welches dann von immer weiter weg gezeigt wird (von Nah zu Total). Schlussendlich ist es trotzdem jedem selbst überlassen, welche Einstellungsgrössen er oder sie wählt. Wichtig ist nur, dass es möglichst wenig Totalaufnahmen, dafür aber viele Halbnah- bis Detailaufnahmen gibt und dass die Reihenfolge der Bilder logisch ist.

Kamerahandling

Für den Fall, dass Sie kein Stativ besitzen oder es nicht dabei haben, gibt es einen Trick mit dem Sie trotzdem ein einigermassen stabiles Video aufnehmen können.
Stehen Sie gerade und fest auf beiden Beinen. Nehmen Sie dann die Kamera möglichst nah an den Körper. Und das Wichtigste: keine Zooms ohne Stativ! Denn umso weiter man heranzoomt, desto grösser ist die Gefahr von starken Verwacklungen. Man sollte allgemein beim Filmen die Verwendung des Zooms einschränken / vermeiden. Das Gleiche gilt für Kameraschwenks, ausser man möchte diese als Stilmittel einsetzen.

Schnitt

Der Schnitt ist andersgesagt eine Zeitverkürzung. Man kann langweilige Szenen rausschneiden und nur das für die Story relevante Material zeigen. Eine Einstellung sollte nie länger als 10 Sekunden dauern, da es die Spannung und das Interesse der Zuschauer drastisch vermindert. Damit Sie auch genug Möglichkeiten haben, brauchen Sie einiges an Filmmaterial. Wenn Sie also am filmen sind, rate ich Ihnen so viel wie möglich zu filmen und sich nicht mit den erst besten Aufnahmen zufrieden zu geben.
Im Beispiel-Video unten, sieht man den Vergleich zwischen einer Szene bestehend aus nur einer Einstellung und einer Szene mit vielen Schnitten. Sehen Sie, welche der beiden Szenen spannender und somit auch besser wirkt?

 


Rechtliches

Beim Filmen, wie auch beim Veröffentlichen eines Films, gilt es, bestimmte rechtliche Bedingungen einzuhalten. Ich habe versucht, hier die Wichtigsten festzuhalten.

Recht am eigenen Bild

Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor. Sie sind gerade in einem Park und drehen einen Film über Spaziergänger. Sie stehen am Wegrand und sehen einen älteren Mann auf Sie zukommen. Sofort starten Sie die Aufnahme. Die Frage lautet: Darf man das überhaupt? Nein, nur wenn die Person auf dem Bild oder in diesem Fall, der Mann auf dem Video, Ihnen sein Einverständnis gibt. Wenn aber nicht die Person im Schwerpunkt liegt sondern eine Menschenmenge, auf denen die einzelnen Personen nicht für das Bild relevant sind, brauchen Sie keine Einwilligung. Im Zweifelsfall ist es klüger, die Person zu fragen, ob es für sie in Ordnung ist.

Urheberrecht

Nehmen wir an, Sie haben einen Film gedreht und wollen diesen auf einem Video Portal wie z. B. YouTube publizieren. Bevor Sie das machen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie damit keine Urheberrechtsverletzung begehen.
Mir ist erst vor kurzer Zeit ein Fehler unterlaufen, den man hätte verhindern können. In einem Verein, in dem ich dabei bin haben wir ein Mannequin-Challenge Video gedreht. Für jene die es nicht wissen, bei der Mannequin-Challenge geht es darum ein Video zu drehen, worauf sich niemand bewegt und alle wie versteinert wirken. Dem Video haben wir den zur Challenge passenden Song hinterlegt. Dieser ist jedoch urheberrechtlich geschützt, was dazu führte, dass unser Video von YouTube deaktiviert wurde. Glücklicherweise hatte dies keine weiteren Folgen.
Was kann man also machen, damit ein Video nicht gegen die Richtlinien verstösst?

Falls Sie nach weiteren Informationen zum Urheberrecht suchen, finden Sie diese auch im Blogpost von Chantal Pernet.


Als Letztes möchte ich Ihnen noch den folgenden Tipp geben. Diesen Blogbeitrag gibt Ihnen zwar einige Ratschläge und zeigt eine mögliche Vorgehensweise, aber das reicht noch lange nicht aus, um gute Filme zu drehen. Dazu gibt es nur einen Weg und der heisst Ausprobieren. Haben Sie Spass daran, neue Ideen zu testen und experimentieren Sie. Die Erfahrungen, welche Sie dabei sammeln können, sind von grossem Wert.

Wenn Sie noch Fragen haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen.

Silvan Arnet

Silvan Arnet ist bei internezzo in der Ausbildung zum Mediamatiker.

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